Geschrieben von Realmatze am 26. Juli 2012 um 12:03 Uhr

Wer schleicht so spät durch Dickicht und Wind? Es ist der Big Boss mit seinem Kind. Achja und Raiden hat er auch noch im Gepäck. Metal Gear ist eine Reihe, die einen weiten Weg hinter sich hat. Bereits im Jahre 1987 erschein das erste Metal Gear für Heimcomputer. Es folgte Metal Gear 2, welches jedoch nicht außerhalb Japans erschien und die Reihe Metal Gear Solid, welche derzeit vier Teile und etliche Ableger umfasst. Die Geschichte selbst umspannt die Jahre von 1964 bis 2014, wobei die Teile nicht immer in der richtigen Reihenfolge spielten. Konami bringt mit der neuen Metal Gear Solid HD Collection Hideo Kojimas Schleich-Action-Helden nun auch auf die PlayStation Vita, nachdem diese Abenteuer auch auf der PlayStation 3 in einer Sammlung spielbar waren. Das wirft natürlich ein paar Fragen auf. Auf welcher Konsole lässt sich die Collection am besten spielen? Bietet eine Collection mehr als die andere? Dies und vieles mehr erfahrt ihr in unserem Test.

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Außen hui. Und innen?

Wenn es von Metal Gear Solid schon so viele Teile gibt, dann muss das ja auch irgendwoher kommen. Wirft man einen Blick auf die Verpackung, verspricht diese den Titel Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty und Metal Gear Solid 3: Snake Eater. Zusätzlich bietet die PlayStation 3-Version das ehemals für die PSP exklusive Spiel Metal Gear Solid Peace Walker, von dem Kojima selbst sagt, dass es nicht als Spin-off anzusehen sei, sondern das eigentliche Metal Gear Solid 5, wäre es nicht „nur“ in einer portablen Version erschienen. Zwei bzw. drei richtige Kracher also, da muss doch etwas dran sein.  

Tatsächlich handelt es sich jedoch um die Spiele Metal Gear Solid 2: Substance und Metal Gear Solid 3: Subsistence. Wer glaubt, dass das ein Manko ist, der irrt. Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty wurde so um VR-Missionen und Snake Tales erweitert. Metal Gear Solid 3 verfügt nun statt über eine feste Kamera über eine vollkommen frei bewegliche Kameraperspektive, für Fans der alten Kamera ist diese trotzdem einstellbar. Zudem sind Metal Gear und Metal Gear 2 enthalten und somit war der zweite Teil der Serie mit Subsistence auch erstmals in Deutschland verfügbar.  

Summa sumarum macht es vier Spiele für die PlayStation Vita Version und fünf Spiele für die PlayStation 3 Version. Kein schlechter Deal soweit, wird man doch mit einem Spiel allein mindestens 15 Stunden unterhalten. Natürlich variiert das je nach Spielart des Spielers, aber man kann sich auf jeden Fall auf mehrere Stunden Unterhaltung einstellen. Selbst wenn man sich nicht mit der pixeligen Optik der ersten beiden Spiele anfreunden kann, bieten die anderen Spiele, um die es eigentlich in den Collections geht, hochwertigen Spielspaß.

 

Ein Mann und sein Messer

Startet man das Spiel, so kommt man zunächst in ein Auswahlmenü. Auf den ersten Moment wirkt es etwas sonderbar, die Reihenfolge wirkt etwas vertauscht. Wer dann aufmerksam den Text liest, kommt der Sache auf die Spur und sie macht plötzlich Sinn: Metal Gear Solid 3 spielt zeitlich gesehen als erstes, nämlich im Jahre 1964 als es noch keine Metal Gears gab und der Kalte Krieg zwischen den USA und der UdSSR in die heiße Phase ging. Big Boss war selbst noch Schüler von The Boss und wurde unter dem Decknamen Naked Snake im russischen Dschungel, abgesetzt um eine nukleare Katastrophe abzuwenden.

Das Dschungelsetting bietet dem Spiel Anlass zu etwas ganz Neuem. Snake war auf einer Überlebensmission und so soll sich der Spieler fühlen. Witterung, Verletzungen und Hunger nagen an dem Soldaten, der später als Held in die amerikanische Geschichte eingehen sollte und so ist der Spieler gezwungen, auf alte Überlebenstricks zurückzugreifen. Essen liegt schließlich überall herum, kluge Pfadfinder wissen sich zu helfen und alle anderen merken spätestens nach einem großen Happen Fliegenpilz oder einem Giftspinnensnack, dass nicht alles, was der Wald hergibt, auch gut ist.

So erwischt sich der Spieler ein ums andere Mal, wie er mit einem Messer bewaffnet durch den Wald huscht und ein Kaninchen jagt oder auf einen Baum klettert, um eines von den niedlichen kleinen japanischen Flughörnchen zu fangen, welche seltsamerweise in den russischen Wäldern beheimatet scheinen. Doch nicht nur der Hunger ist der Feind des Soldaten, auch, wie nicht anders zu erwarten, Verletzungen zehren an der Gesundheit. Kleinere Verletzungen, wie festgebissene Blutegel saugen dem Helden förmlich die Ausdauer aus dem Körper, lassen sich jedoch leicht mit einer Zigarre verscheuchen. Ernstere Verletzungen, wie Knochenbrüche, Verbrennungen und Schusswunden müssen aufwändiger verarztet werden. Solche Verletzungen sorgen nämlich dafür, dass sich die Gesundheitsleiste nicht vollständig regenerieren kann, bis man sie vollständig und fachmännisch bearbeitet hat.

Wer wollte nicht schon immer einmal mit dem Messer eine Kugel aus dem Leib operieren oder den gebrochenen Fuß nur mit einer Schiene und einem Verband behandeln und anschließend von einer Klippe springen, ohne auch nur das kleinste Murren und Knurren? Nun, darüber lässt sich streiten, aber es ist auf jeden Fall ein gutes taktisches Element wodurch vorgebeugt wird, dass der Spieler einfach in den offenen Kugelhagel läuft mit den Gedanken „Der heilt sich ja eh wieder von allein.“ Spätestens wenn einem das Styptik oder die Verbände ausgehen, will jeder Schritt durch Feindesgebiet gut durchdacht sein.

 

Realismus in seiner reinsten Sorte

Gut, sehen wir einmal von den eben genannten Sachen mit den Verletzungen ab, legt das Spiel auch sonst sehr viel Wert auf Realismus. Abseits vom Essen von Schlangen gegen den Hunger und Verarzten von Kriegsverletzungen gibt es einiges, was Snake tun kann, um nicht ins offene Messer zu laufen. So kann er sich schminken, um sein Gesicht besser der Umgebung anzupassen. Die Schminke kann vielerorts gefunden werden und kann auch nicht wieder ausgehen. Allerdings kann jeder für sich selbst entscheiden, ob eine Geisha-Bemalung für den Dschungeleinsatz tatsächlich zu gebrauchen ist.

Ebenso hilfreich sind die Tarnanzüge, die vielerorts einfach nur in der Gegend herumliegen und nur darauf warten, eingesammelt zu werden. Wie auch bei den Tarnfarben, lassen sich diese bestens an die Umgebung anpassen und über eine kleine Prozentanzeige am Rande des Bildschirms wird dem Spieler vermittelt, wie gut er noch sichtbar für seine Feinde ist. Ein kleiner Tipp am Rande: Sich ins hohe Gras zu legen, hilft ungemein. Wenn man sich aber dabei kriechend auf den Gegner zubewegt, erweist sich das sich biegende Pflanzenzeug doch eher als tückisch.

Außer sich zu verstecken, kann Snake jedoch auch ganz gut austeilen. Neben den üblichen scharfen Waffen mit obligatorischer Egoperspektive verfügt Snake über einen lautlosen Gehilfen, der seine Gegner ins Land der Träume schicken kann. Das Interessante hierbei ist sicherlich, dass man so das gesamte Spiel durchspielen kann, ohne auch nur ein einziges Lebewesen zu töten. Nur sollte man es bei einem schlafen gelegten Gegner vermeiden, ihn zu stoßen oder in Sichtweite anderer Soldaten mit vollem Bewusstsein liegen zu lassen, sonst sind sie schnell wieder auf den Beinen und rufen Verstärkung.

Eine weitere taktische Komponente kommt spätestens dann hinzu, wenn man merkt, dass der Schalldämpfer über eine begrenzte Lebensdauer verfügt. Glücklicherweise kann man ihn flink demontieren, sollte man einmal entdeckt werden und somit keinen Wert mehr auf Lautstärke legen. Ansonsten kann auch auf den Close Quarters Combat, kurz CQC, zurückgegriffen werden und Gegner je nach ausgerüsteter Waffe ins Reich der Träume schicken, mit dem Messer bedrohen oder gar lautlos die Kehle durchschneiden.

 

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Interaktiver Film in anders

Ein interessantes Feature ist sicherlich die Möglichkeit, während der Filmsequenzen heranzuzoomen und sich umzuschauen. Gut, ist jetzt nicht wirklich überragend, doch einige Momente im Spiel bieten so die Möglichkeit, etwas aus der Sicht des Protagonisten zu sehen. Anfänglich sind es Kleinigkeiten wie der Blick auf den Ausschnitt einer jungen Frau oder der Blick auf diverse Frauenfotos, was situationsbedingt in jedem ein Lächeln hervorbringt, bis hin zu einer merkwürdigen geisterhaften Erscheinung, die dem Spieler den ein oder anderen Hinweis gibt.

Die Videosequenzen dauern auch für Filmsequenzen in Spielen ungewöhnlich lang, was aber dem Spiel keineswegs einen Abbruch tut. Eher umgekehrtes ist der Fall. Manchmal wünscht man sich sogar, man hätte noch mehr zu sehen bekommen und schaut erst ganz verdattert auf den Bildschirm, bis man realisiert, dass man nun selbst die Zügel wieder in der Hand hält. Die Videos umfassen meist natürlich die Story, manchmal gibt es auch Einblendungen von tatsächlichen Aufnahmen, welche dem Spiel noch ein wenig mehr Glaubwürdigkeit beisteuern und zusätzlich dem Spieler in puncto Geschichte etwas Nachhilfe geben.

 

Zukunft liegt im Vorgänger

Das Spiel numéro 2 auf der Karte ist Metal Gear Solid 2: Sons of Liberty. Das Spiel spielt 40 Jahre nach den Ereignissen des dritten Teils und nicht nur der Schauplatz, auch der Protagonist hat gewechselt. Man spielt nun nicht mehr Naked Snake aka „Big Boss“ sondern seinen zweiten Klon Solid Snake. Dieser hat die Aufgabe, auf einem Tanker Beweise zu sammeln, dass die Marine über einen neuen Metal Gear verfügt. Mit Kamera und Pistole bewaffnet, schleicht man so durch die Gänge und versucht möglichst unentdeckt zu bleiben, um keine Verstärkung auf den Plan zu rufen.

Nachdem man das Tankerlevel abgeschlossen hat, gibt es einen erneuten Zeitsprung, welcher lediglich zwei Jahre beträgt und den Helden auf eine Ölplattform namens Big Shell verschlägt, welche sich zur Aufgabe gesetzt hat, das Meer von schädlichen Chemikalien und Öl zu befreien. Snakes Codename wird vorsichtshalber in Raiden geändert und er bewegt sich auch ganz anders. Schnell wird dem Spieler bewusst, dass sich hinter der Plattform mehr verbirgt und auch die agierenden Personen sind nicht die, die sie zu seinen scheinen. Und langsam entspinnt sich das Netz rund um Gewalt, Verrat und Intrigen.

Im Großen und Ganzen betrachtet macht diese Aufteilung in zwei „kleinere“ Spiele durchaus Sinn. Interessant ist jedoch, dass sich die Spielweise zwischen den beiden Missionen ändert. Grundlegend natürlich nicht, die Tastenbelegung und Perspektive bleibt dieselbe. Allerdings sind Raidens Bewegungen schneller und flüssiger als bei Snakes Einsätzen und Raiden muss in jedem Gebiet einen Computer benutzen, um seinen Radar zu aktivieren. Den Computer kann man auch dazu nutzen, die Einstellungen zu ändern und das Spiel zu verlassen. Zusätzlich gibt es nun auch eine Übersichtskarte, mit der man den Überblick behalten kann.

 

Der avantgardistische Soldat

Um zu einem perfekten Soldaten heranzuwachsen, braucht man entweder gute Fronterfahrung oder einen dicken Rechner. Raidens Bosse hatten zweiteres und so kann sich der Spieler durch dessen komplette Ausbildung boxen. Die sogenannten VR-Missionen helfen dem Spieler, sich mit den Funktionen des Spiels vertraut zu machen und so gibt es Schleich- und Waffentraining oder auch einen Ego-Shooter-Modus, in welchem man das Zielen mit den Analogsticks üben kann. Der Stil weicht dabei von dem des eigentlichen Spiels insofern ab, dass man keine eigentliche Umgebung hat, sondern blau-weiße Blöcke und rot leuchtende Soldaten. Es wirkt ein wenig wie im Film Tron.

Neben den Virtual Reality-Missionen gibt es auch Alternative Missionen, in welchen man sich in Einsatzgebieten der Missionen wiederfindet, wo die Missionsziele allerdings abgeändert wurden. So schlägt man sich mit Raiden, Snake und kostümierten Figuren durch die einzelnen Missionen und kämpft dabei gegen die Zeit, um eine möglichst hohe Wertung in der Punktetabelle zu erreichen. Bei der Punktejagd kommt es aber nicht nur darauf an, schneller als alle anderen zu sein, auch Anzahl der verbliebenen Munition oder das am Leben lassen der Gegner wird dem Konto gutgeschrieben.

Hat man sich genug in den Missionen ausgetobt oder gar keine Lust darauf, kann man auch die sogenannten „Snake Tales“ spielen. In diesen fünf Missionen erlebt man die Szenen auf Big Shell aus einer anderen Perspektive. Diese sind allerdings nicht tatsächlich Teil der Handlung, sondern sind eher „Was wäre, wenn“-Ereignisse. Anders als das Spiel, besitzen diese einen festgelegten Schwierigkeitsgrad. Man hat nicht die Möglichkeit, seine Teammitglieder anzufunken und die Story findet komplett textbasiert zwischen der Action statt. Eine nette Dreingabe, um die Geschichte aus einem anderen Winkel zu betrachten.

 

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Der WTF-Moment

In Metal Gear Solid 2 fühlt man sich als Spieler oft ins Gesicht geschlagen. Zum einen weil sich die Story regelmäßig um 180 Grad wendet, zum anderen weil manche Gegner einfach so viel Charakter besitzen dass man einfach nur staunend dasteht. Wie in Teil 3 verfügen einige Gegner über übermenschliche Kräfte. Doch keiner von ihnen gleicht denen aus dem anderen Spiel und somit ist man erstaunt darüber, wie viel Einfallsreichtum doch in den Entwicklern stecken muss, dass es nicht lächerlich oder gar langweilig wird.

Doch dann gibt es da noch die andere Seite von Metal Gear Solid, die humorvolle. In einigen Spinden hängen Poster, zu denen Snake doch glatt erst mal während des Einsatzes masturbiert oder ein Soldat, der in Unterhose zum morgendlichen Apell angetreten ist. Fotografiert man diese Szenen, so kann man interessante Gespräche miterleben. Oder man geht als Raiden auf die Damentoilette und funkt Pliskin an, welcher übrigens auch von einer interessanten Festellung berichtet, sollte man ihn anrufen, während man ein Heftchen voller leicht bekleideter Damen in der Hand hält. Manche Scherze sind schon etwas unter der Gürtellinie, wahren jedoch stets ein gewisses Niveau, sodass man sich nicht schmutzig fühlt, wenn man darüber gelacht hat.

Ein ganz anderer WTF-Moment ist aber spätestens dann erreicht, wenn man merkt, dass man jedem Gegner ein Dog-Tag abnehmen kann, indem man sie mit der Waffe bedroht. Insgesamt gibt es davon im Spiel knapp 400 Stück und für das Sammeln dieser gibt es verschiedene Belohnungen. Nicht alle davon sind einfach so erreichbar und um sie alle zu sammeln, muss man jeden Schwierigkeitsgrad durchspielen. Es ist nicht unbedingt notwendig, sie überhaupt zu sammeln, aber für einige ist es definitiv ein Ansporn, das Spiel noch einige Male mehr durchzuspielen. Nicht zuletzt, weil es teilweise komplett neu positionierte Gegner und Überwachsungsgeräte gibt, die ein ums andere Mal eine neue Taktik erfordern.

 

Der verlorene Sohn

Die Metal Gear Solid HD Collection der PlayStation 3 hat der PlayStation Vita Version gegenüber einen Vorteil und dieser liegt in einem kompletten Spiel: Metal Gear Solid: Peace Walker. Zunächst mag man sich betrogen fühlen, um genau ein Spiel gebracht worden zu sein. Auch die Entscheidung, weshalb gerade dieses Spiel nicht auf der Vita genommen wurde entzieht sich dem Spieler, war Peace Walker doch ursprünglich für die PSP und somit wäre ein Port für eine mobile Konsole naheliegend. Zweitens hat die Story einen Bezug auf den dritten Teil, während Sons of Liberty die Fortsetzung des ersten Metal Gear Solids ist und somit keinerlei Bezug zum dritten Teil herrscht. Und drittens gleicht die Steuerung von Metal Gear Solid: Peace Walker der von Metal Gear Solid 3: Snake Eater (Subsistence).

Metal Gear Solid Peace Walker spielt nur wenige Jahre nach der Snake Eater-Mission und klärt einige neu aufgekommene Fragen. Dazwischen liegen lediglich die Ereignisse aus Portable Ops, Big Boss lebt zurückgezogen am Strand eines unbewaffneten Landes. Doch natürlich finden sich erneut Terroristen, die das Gebiet unsicher machen und als ihn eine mysteriöse Nachricht von seiner ehemaligen Ausbilderin „The Boss“ erreicht, macht sich der ehemalige Söldner auf den Weg, der Sache auf den Grund zu gehen. Dabei hat er seine ganz eigene Basis zur Verfügung, in welcher er Waffen und Technologien weiterentwickeln kann und neue Rekruten ausbildet.

Zusätzlich verfügt Peace Walker über einen Online-Modus mit den üblichen Arena-Spielen und über einen kompletten Ko-op-Modus, auf welchen das Spiel besonderes Augenmerk legt. Leider ist die Grafik nicht ganz so hübsch wie die der anderen beiden Vertreter und die Videosequenzen finden in Comicsequenzen statt, welche teilweise sogar interaktiv gestaltet sind. PSP-typisch sind die Einsätze in kurze Missionen aufgeteilt, für die es nun sogar Abschlussbewertungen gibt. Während der Missionen kann man nicht speichern, wodurch jeder einzelne Schritt gut durchdacht sein sollte. Trotzdem ist Peace Walker ein Spiel, welches den anderen beiden in nichts nachsteht und von Metal Gear Solid-Fans gespielt werden sollte.

 

Nun aber Hose runter und Fakten auf den Tisch!

Die Frage, die jeden brennend interessiert: „Welche Version ist denn jetzt eigentlich besser?“ So ganz einfach lässt sich die Frage nicht beantworten. Betrachtet man die Sache ganz objektiv, so sticht besonders heraus, dass die HD Collection der PlayStation 3 über ein Spiel mehr verfügt. Fairerweise muss man dazu sagen, dass die HD Collection der PlayStation Vita rund ein Drittel weniger kostet und für den Preisunterschied die PSP-Version von Metal Gear Solid Peace Walker aus dem PlayStation Store herunterladen kann, welche auf der PlayStation Vita spielbar ist. Und nebenbei könnte man direkt auch bei Portable Ops zuschlagen, um die Lücke zwischen Snake Eater und Peace Walker zu schließen.

Grafisch gesehen hat auch die PlayStation Vita klar die Nase vorn. Auf einem großen Fernseher stechen die Makel der alten Grafik mehr heraus, was an der deutlich höheren Auflösung auf einem entsprechend großen Bildschirm liegt. Vor allem bei dem sich biegenden Gras in Metal Gear Solid 3: Snake Eater und allgemein an den Charaktermodellen fällt es auf. Bei einer aufpolierten HD Collection erwartet man zwar keine grafischen Wunder, wer aber Wert auf eben diese legt und die Wahl hat, ist mit der Vita-Version möglicherweise besser beraten. Möglicherweise? Ja. Denn auch steuerungstechnisch gibt es große Unterschiede zwischen den beiden Versionen.

Die PlayStation Vita hat weder die beiden Trigger noch analoge Aktionstasten. Die L2- und R2-Trigger werden kompensiert durch den Touchscreen, was unglaublich intuitiv ist, aber manchmal beim zweiten Teil auch ungenau ist, da die Waffen- und Geräteauswahl dort nur kleine Listen sind und es schnell passiert, dass man das Falsche auswählt. Die Änderungen der analogen Steuerung macht sich bemerkbar, dass man nun, wenn man die Waffe senken will, anstatt die Viereck-Taste langsam loszulassen, auf die Unten Taste drückt. Mit dieser kann man auch die Waffe heben, ohne den Abzug zu betätigen. Beim Befragen in Snake Eater kommt, während man den Gegner im Würgegriff hat, der Rear-Touch zum Einsatz. Vorteil hierbei ist, dass man dem Gegner nicht versehentlich die Halsschlagader aufschneidet, weil man zu fest zudrückt.

 

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Noch was?

Ja, zur Collection selbst gibt es auch noch ein wenig was zu sagen. Positiv hervorzuheben ist, dass es im Hauptmenü eine Auswahlmöglichkeit gibt, zurück zur Spieleauswahl zu gelangen. Das ist sehr bequem, wenn man zwischen den Spielen wechseln möchte, ohne zum PlayStation-Menü zurückzukehren und neuzustarten. Zusätzlich verfügen die Collections über ein Transferring System, mit welchem man den Spielstand Online oder über Kabel untereinander tauschen kann, was sogar mit der PSP Version von Peace Walker funktioniert. Interessant für Trophäensammler ist zusätzlich, dass hierbei die erspielten Trophäen auf der einen Konsole auch auf der anderen freigeschaltet werden. Vorausgesetzt, die Aktionen sind in einem der Savegames gespeichert.

Was etwas enttäuschend ist, ist der Fakt, dass die Collection in kaum einer Weise überarbeitet wurde. In den meisten Fällen stört dies nicht, aber gerade bei Untertiteln fallen eine ganze Menge Schreibfehler auf, zusätzlich zur dort noch verwendeten alten Rechtschreibung. Was auch etwas störend ist, ist die komplett unterschiedliche Gestaltung die daher rührt, dass es verschiedene Spiele sind. Die feste Kameraeinstellung und CQC-Steuerung noch nicht einmal betrachtet, so verfügen beide Spiele über komplett unterschiedliche Menüs und bei Sons of Liberty muss man einen Soft Reset durchführen um zum Hauptmenü zurückzukehren, sofern man nicht auf Big Shell an einen PC kommt.

 

Fazit

Die Metal Gear Solid HD Collection vereint unbestritten ein paar sehr großartige Spiele in der Videospielgeschichte. Obwohl diese schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, spielen sie sich dennoch flüssig und gehen gut von der Hand. Doch nicht nur das, auch die Story steckt voller Überraschungen und ist gerade für Metal Gear Solid-Neulinge sehr spannend. Selbst wenn man weder Metal Gear noch Metal Gear 2 spielen möchte, hat man mit Snake Eater und Sons of Liberty und möglicherweise Peace Walker eine Menge Spielzeit, da diese einen hohen Wiederspielwert besitzen. Es sei jedoch gesagt, dass man etwas Zeit mitbringen sollte, da einige Videosequenzen gut und gerne mal eine Stunde dauern können. Jede ist aber überspringbar und lässt sich nach einmaligem Durchspielen erneut ansehen.

Zu welcher Version man letztendlich greift, bleibt jedem selbst überlassen. Der Preis ist bei beiden angemessen und beide haben ihre Vor- und Nachteile. Veteranen bleiben vielleicht lieber bei der ihnen bekannten Steuerung, während Neulinge womöglich mit der intuitiveren Variante der Vita besser laufen. Doch genauso gut könnte es umgekehrt sein. Wer die Möglichkeit hat, kann auch bei beiden zugreifen und das Transferring System dazu nutzen, um zu Hause am großen Fernseher und unterwegs dann weiterspielen zu können, doch die Umstellung kann ein ums andere Mal eine böse Überraschung bereit halten, wenn man versehentlich die falsche Taste drückt, da man eben noch die Steuerung von der anderen Konsole gewöhnt war. Und wer gute Spiele für seine derzeit noch wenig unterstützte PlayStation Vita sucht, ist hiermit definitiv richtig beraten.

 

9/10

         

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