Geschrieben von ocame am 3. September 2012 um 07:30 Uhr

Spiele können so packend inszeniert sein, dass das Gefühl aufkommt man tauche in das Spiel ein. Natürlich hat noch keiner von uns einen Köpper in den Fernseh gemacht.  Aber der Wunsch ein Teil der virtuellen Welt zu werden ist da. Wir wollen nicht nur ein starrer Beobachter sein, sondern ein agiler Teilnehmer. Wie so eine Taucherglocke aussehen könnte, die es uns ermöglicht in die Tiefen der Spiele abzutauchen, möchte ich euch heute zeigen.

Bevor wir mit der Glaskugel die Zukunft betrachten, schlagen wir das Geschichtsbuch auf. Bereits seit 1966 arbeiteten Forscher an unserer Taucherglocke. Die gaben ihrem Baby einen anderem Namen: »Head-Mounted-Display«, zu Deutsch: „am Kopf befestigte Anzeige“. Ziel war und ist es, eine Technik zu konzipieren, die es uns ermöglich komplett in eine virtuelle Welt einzutauchen.

Zerbreche dir ja nicht den Kopf!

Hätte man 1968 das erste HMD an den Kopf der Testperson befestigt, wäre sie schnell auf dem Boden der Tatsachen angekommen. Das Ding war so schwer, dass es zusätzlich an der Decke befestigt werden musste. Trotzdem erkannten die Forscher, was für ein Potenzial in diesem schwerfälligen Brocken steckte. Viel wichtiger, als der Enthusiasmus und die Leidenschaft der Professoren, war die Neugier, die bei der Wirtschaft geweckt wurde. In den nächsten Jahren entstanden eigens Forschungszentren, um die Entwicklung der HMD voranzutreiben.

1985 bekam das Projekt Flügel und schoss in die Lüfte. Kampfhubschrauber Piloten der U.S-Army wurden mit kleinen HMD´s an ihren Helmen ausgerüstet. Diese versorgten die Soldaten mit Informationen zu ihrem Einsatz, der Bewaffnung ihres Hubschraubers und Details zur aktuellen Position im Kampfgebiet. Trotz des Erfolgs war man noch nicht zufrieden, man wollte mehr, man wollte tiefer in die »virtuelle Realität« eintauchen. Die HMD´s zu diesem Zeitpunkt waren nicht mehr, als kleine Bildschirme. Durch den geringen Abstand zwischen Bildschirm und Auge, hatte man das Gefühl man befinde sich in einer virtuellen Welt.

Man ist das Laser, wie du abgehst!

Laser sind cool, man kann sie in Schwert einbauen und damit Bösewichte, mit schwerem Asthma, einen Kopf kürzer machen. Aber Laser sind nicht nur auf Welt, um Menschen ins Nirwana zu beamen, nein sie können auch anders! Anfang der 90er entwickelten ein paar schlaue amerikanische Köpfe, das »Virtual-Retinal-Display«. Es löste die Technik ab, die in herkömmlichen HMD´s eingebaut wurde. Das Bild wird via Laser auf die Netzhaut des Nutzers projiziert. Der sieht immer einen Ausschnitt von einem großen Bild. Je nachdem wir er den Kopf bewegt, verändert sich dieser Ausschnitt.

Zum ersten Mal in Serie wurden die VRD´s 2003 für die Piloten des Eurofighters produziert. Auch deutsche Wissenschaftler trieben das Projekt weiter voran. 2009 entwickelten sie eine Datenbrille. Der Clou dabei war, dass die Bedienung via Augenbewegung funktionierte. Ein Vorläufer der heutigen Eye-Tracking Technik.

Die magische Grenze

2012 überrascht John Carmack mit einem eigenen HMD die Fachpresse auf der E3. Der Programmierer entwickelten in seiner bisherigen Karriere einige maßgeblichen Engines  für die Spielebranche. Nicht selten bezeichnet man ihn als den Vater des 3D. Dieser Titel ist auf, die von ihm entwickelte Engine, der Doom-Reihe zurückzuführen. Doom war nach Wolfenstein 3D, was ebenfalls seiner Feder entsprang, der erste erfolgreiche 3D-Shooter.

Wenn so eine Legende der Spielebranche die Presse um sich scharrt, dann kann man sicher sein, dass da etwas Großes ansteht! Carmack´s Version löste ein generelles Problem der HMD´s bereits mit Bravour, die Geschwindigkeit.

“Das Gehirn weiß, wie es aussehen muss, wenn man den Kopf bewegt – es ist also sehr intolerant im Hinblick auf Latenz” so Carmack. Die magische Grenze liegt bei 20 Millisekunden. Wenn die Zeitspanne zwischen der Bewegung des Kopfes und der Wahrnehmung des resultierenden Bildes, 20 Millisekunden beträgt, dann wirkt es auf uns natürlich.

Der junge Wilde

Der junge Wilde heißt Palmer Luckey. Bevor er loszog, um unser Hobby zu revolutionieren, bastelte er HMD´s für das Militär. Das ist ja ganz nett, aber er wollte die sündhaft teuren Spielzeuge ein bisschen smarter machen, damit sie für den Massenmarkt tauglich sein würden. Dafür brauchte er die Aufmerksamkeit der Masse. Die lieferte ihm John Carmack. Der hatte seine eigene Pläne für ein HMD aufgegeben, nachdem er den Prototyp von Palmer getestet hatte.

John sorgte dafür, dass die Branche auf Palmer aufmerksam wurde. Das bewirkte er, indem er eigens eine Version von Doom 3 für den Oculus Rift bereit stellte. Nun konnte sich das High-End Spielzeug nicht nur in Tech-Demos beweisen, sondern auch in einem vollwertigen Spiel.

Eine Kickstarter Kampagne folgte. Primär versuchte das Team hinter Palmer mit der Kampagne ihr Projekt zu finanzieren. Sie fanden aber auch ihre ersten Kunden. Wer das Spendenkonto mit einem gewissen Betrag aufbesserte, sicherte sich einen Prototyp des Oculus Rift. Diese erste Version ist vor allem für Entwickler gedacht, damit sie ein Bild von den Möglichkeiten des HMD bekommen.

Über 2, 5 Millionen US-Dollar spielte die Kampagne ein, weit mehr als gewollt. Im Oktober erhalten die Spender die ersten Prototypen. Zum Weihnachtsgeschäft 2013 soll der Oculus Rift dann für den Massenmarkt bereit sein.

Alle, die bereits in den Genuss des Oculus Rift gekommen sind, sind begeistert. Noch nie habe man eine Technik erlebt, die so nah an der Realität ist. Tester schwärmen über die Möglichkeiten, die sich nun auftun würden.

Einige Kritiker mahnen bereits sorgenvoll. Ja, die Technik könnte die Spiele-Welt verändern, aber was für Veränderungen wird es geben? Ist das der erste Schritt hin zu einer Gesellschaft, die aus menschlichen Zombies besteht, die in sich in der virtuellen Realität verfangen haben? Wartet ein Cyber-Punk Szenario auf uns?

Was glaubt ihr, werden wir mit der Taucherglocke die Schönheiten der virtuellen Tiefenwelt bestaunen können oder sinken wir in das dunkle Niemandsland ab?

 

PS: Bevor ein Shitstorm wegen dem Titel der Kolumne über mich zusammen bricht, hier die Erklärung. Schaut euch das Video an! Ihr werdet euren Lachmuskeln und den Gehirnzellen etwas Gutes tun. ;)

Kommentare (7)
  1. Wies aussieht kommt diese Zukunftsvision immer Näher auf uns zu. Ich hätte mit diesem Fortschritt erst dann gerechnet, wenn ich meine Pension genieße :)
    Wegen den Cyber Punks: Alles ist möglich. So wie es heute Casual Gamer und Hardcore Gamer gibt, wird es diese zwei Arten auch dann geben, wenn wir einen Helm aufhaben.

  2. Ich finde es halt krass, dass das was gestern noch Zukunftsmusik war, heute Realität ist. Fakt ist, die Technik funktioniert. Das sind keine Konzept Zeichnungen, mit zig Fragezeichen, sondern ein voll funktionsfähiger Prototyp.

    Aber sind wir als Gamer wirklich bereit für diesen Schritt? Stell dir mal Dead Space mit dem Oculus Rift vor. Da ist kein “schützender” Abstand zwischen dir und dem Bildschirm, du bist “drinne im Spiel”. Ich persönlich fände das zu krass!

    Ich glaube, mit dem Oculus Rift kommt wird die Branche ein Entwicklung durch schreiten, die sie komplett verändert. Vielleicht wird es das einschneidenste Ereignisse, seit dem Umstieg von 2D auf 3D, sein. Wir werden sehen.

  3. Was ist jetzt daran so neu? Das ganze gab es bereits am Anfang des Jahres in Form der Google-Brille. Die Technik gibt es schon seit Jahrzehnten. Wenn soetwas rauskommen sollte, wird auch ein Ganzkörperanzug dabei sein.

  4. Ich denke mal, dass auch wenn diese Barriere zwischen Spiel und Realität entfällt, im Kopf der Menschen immer noch der Unterschied klar ist. Am Anfang jeder neuen Errungenschaft wird gesagt: “Ne, das ist zu krass!”
    Später ist es dann Alltag.

  5. also diese HMD’s sehen echt interesant aus aber ich glaub nicht das man mit so einem teil wirklich lange am Stück etwas Spielen kann weil einem irgendwann der Kopf anfängt zu rauchen besonders bei so Blockbustern wie Battlefield^^
    zudem wird doch die frage des Raums ein problem denn wenn man schon ein HMD hat dann will man auch z.B. bri einem shooter durch die Bude rennen und sich wie ein Soldat fühlen und ich glaub JEDER würde dann gegen wände laufen und dann ist das Ding futsch^^
    die Idee ist gut aber ich glaube das die aktuelle Gamingwelt dafür nicht bereit ist

  6. Also bewegt haben sich die Testpersonen bis jetzt eher unfreiwillig ;) Die Figur im Spiel wurde via Controller gelenkt, lediglich das Umsehen in der Spielewelt wurde durch das HMD übernommen.

    Wenn das nicht so wäre, gäbe es tatsächlich einige Probleme ;)