Geschrieben von ocame am 28. April 2012 um 14:48 Uhr

Ich hechte in Richtung Steinmauer, mit einer flüssigen Bewegung gehe ich hinter dem hüfthohen Meisterstück an amerikanischer Maurerkunst in Deckung. Wer auch immer hier am Werk war, an ihm muss die Erfindung des rechten Winkeln spurlos vorbei gegangen sein. Ich atme durch und versuche die Situation zu erfassen. Die große Lagerhalle liegt im Halbdunkel, hier und da dringt Tageslicht durch die verstaubten Fenster. Ich ahne, dass hier einst geschäftiges Treiben herrschte. Aufseher trieben vermutlich die vielen verzweifelt-fleißigen Immis an, die hier um ihre Existenz kämpften, früher mal…


Doch Maschinen gibt es hier keine mehr, was auch immer hier produziert wurde, liegt schon lange brach. Was tragbar war, wurde vermutlich längst abgegriffen. Die Halle schweigt mich an. Vereinzelt dringt Regen durch die vielen Löcher in der Decke, dieses alte Schätzchen hat unserem Dreckswetter nicht standhalten können. Ich spüre den Regen auf meinem Gesicht und beglückwünsche mich gleichzeitig zu meinem genialen Versteck. Größtes Loch in der Hallendecke gefunden und darunter Position bezogen? Check.


Doch mir bleibt keine Zeit länger über architektonisches Zeugs zu fachsimpeln, sondern muss meinen Cousin finden. Ich nehme Gesprächsfetzen auf und entscheide mich blitzschnell. Mein serbischer Namensvetter holt die AK aus den tiefen seiner Armeejacke hervor, richtet sie über die Mauer und visiert den Fetten ganz links an, so kann er beim Ziele wechseln, gleich einfach durchrutschen. Ich betätige nur kurz den Abzug, Halbautomatik. Moppel segnet das Zeitliche, sein Kumpel, weniger dick, aber glücklicher Weise trotzdem nicht viel schneller, folgt ihm über den Jordan. Plötzlich wird die Halle lebendig. Ich reagiere zu langsam, eine Kleinfamilie 7,62 mm Nato-Geschosse durchsiebt mich. Ein Blick auf meine Anzeige verrät mir, hier hat sich lediglich meine schusssichere Weste verabschiedet. Hat aber dabei mein Stolz gleich mitgenommen. Ich schüttele den Kopf, gleich beim ersten Gefecht angeschossen, tztztz. Der Rest der Anwesenden scheint sich jedoch königlich zu amüsieren: auf Serbisch schmeißt man mir ein buntes Sortiment an Beleidigungen zu. Ich verstehe zwar nur die Hälfte, bin aber trotzdem tief getroffen, aus Prinzip. So redet man nicht mit mir. Ich informiere daher jeden: „No one fucks with my family“, lade mein Meinungsverstärker durch, springe mit einer Hockwende über die Mauer und tue was ich am besten kann. Tut mir auch leid, aber virtueller Krieg liegt mir halt. Ladehemmungen kennt meine Obrasza 47 nicht, stattdessen arbeitet sie sich mit tödlicher Präzision durch die Reihen der schäbig gekleideten Pixelgangster. Viele umgefallene Menschen später, sind mein Cousin und ich endlich wieder vereint. Wir liegen uns in den Armen, doch Zeit zum Schmusen bleibt nicht. Das lassen wir nicht auf uns sitzen, Gegenmaßnahmen werden ergriffen. Ein Blick auf den feuchten Fleck auf der Buxe meines Cousins lässt erahnen, dass die Aufregung wohl doch etwas zu viel war. Also 2 Gründe die Socken scharf zu machen und ab zu düsen. Wieder informiert Herr von und zu Bellic den aufmerksamen Zuhörer: „No one fucks with my family.“ Sein Repertoire ist diesbezüglich etwas beschränkt, aber damit müssen wir uns zufrieden geben. Wir verschwinden.


Meinen Cousin setze ich zu Hause ab, doch mein Weg endet noch nicht, nicht hier…und nicht jetzt. Schwere Zeiten, erfordern schwere Geschütze. Doch statt mich in die Höhle des russischen Löwen zu begeben, bringt Steuerkreuz hoch, mein Handy zum Vorschein. Ich brauche fahrerische Unterstützung. Wenn Hollywood uns eines beigebracht hat, dann dass Schiessen + Autofahren gleichzeitig, durchaus zu diversen Problemen führen kann. Per Tastendruck, filtere ich Ken Block aus meinen Kontakten, der mir auch gleich seine Hilfe zusichert. Wenige Sekunden später, höre ich 650 Pferdchen, galant in einen 4-Zylinder Turbo gepresst, die umliegenden Straßen umkrempeln. Da zeitliche und räumliche Grenzen in Liberty City keinen Furz wert sind, hält Ken Wort und es dauert keine 10 Sekunden, ehe der Fiesta vor mir zum Stehen kommt. Mit einem gefährlichen Grinsen lädt Ken mich in sein kleines Monster ein.


Und so fahren wir gemeinsam in den Sonnenuntergang.


Darf man das? Darf man sich Crossover-Gaming so vorstellen. Die Idee ist so simpel wie genial. Was passiert eigentlich wenn unsere virtuellen Helden aufeinander treffen? Der Kreativität jedenfalls, werden hier keine Grenzen gesetzt. Sprichwörtlich ist alles möglich, sollte man meinen. Trotzdem geht man allgemein sehr ideenlos mit dem Thema. So scheint es zumindest. Vermutlich, ist hier auch viel weniger die Kreativität der Motor, als vielmehr der kommerzielle Erfolg, unterstelle ich jetzt mal. Wenn ich mir persönlich die Möglichkeiten ausmahle, die darin schlummern, bin ich fast etwas traurig. Traurig über das , was bis jetzt dabei rausgekommen ist. Namco, Marvel, Capcom, Lucasarts und wie sie alle heißen, setzen sich schließlich lange genug mit dem Thema auseinander. Das könne wir doch besser, oder? Dazu mehr, am 12.05.12.

Kommentare (9)
  1. Ich find es gut geschrieben und finde es auch ein wenig traurig warum da nicht mehr dran gearbeitet wird.Achja…….fast vergessen,ist das Nato Kaliber nicht 5,56 mm ?

  2. Bis zum letzten Absatz war mir nicht klar um was es geht, ich dachte es geht um Crossover-Plattform Gaming, xD

    Für meinen Geschmack ist der Teil, wo du die Szene aus GTA beschreibst etwas zu lange, aber ansonsten eine gute Kolumme, mit der überraschendenden Wendung :)

    Nur mir persönlich würde solch ein Crossover gar nicht gefallen, außer bei Spielen wie SuperSmash, oder ähnliches, da ist sowas ziemlich cool.

  3. …..ließt sich als wären es 3 unterschiedliche Texte die einfach aneinander gehängt wurden. 1. Irgendwas über gute Grafik (Architektur) 2. Irgendwas über GTA 3. Crossplattform gaming.
    Dabei kommt der dritte Absatz sehr kurz., das ist iumso verwunderlicher ist er doch scheinbar das Hauptanliegen des Autors.
    Verrent euch bitte nicht immer im gebrauch von Stilmitteln und unzusammenhängenden Beispielen. Leitet mit Bezug auf das Thema ein, nennt dann erst Beispiele wie oben, und schließt mit einem Ausblick auf die Zukunft, einer Kritik, einem Fazit oder Ähnlichem ab. (ist selbstverständlich nur ein Vorschlag)

    Ein bischen mehr Struktur muss sein, sonst frage ich mich jedesmal bis zum letzten Absatz, was die Überschrift mit dem Text zutun haben soll.